Wenn der Arbeitsplatz krank macht: Die 7 häufigsten Bürokrankheiten

Unbequeme Stühle, cholerische Chefs, stickige Luft: Bürokrankheiten sind auf dem Vormarsch. Acht Stunden zu sitzen und auf einen Monitor zu starren, ist für Körper und Psyche eine Belastung. Lesen Sie hier, welche sieben Bürokrankheiten am häufigsten vorkommen, wie Sie diese vorbeugen können und was der Arbeitgeber leisten muss, um den Büroalltag so angenehm wie möglich zu gestalten.

  1. Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfälle
Bürokrankheiten Rückenschmerzen
Rückenschmerzen gehören zu den verbeitesten Bürokrankheiten © istockphoto.com/ AndreyPopov

Muskel- und Skelettprobleme stehen bei den Bürokrankheiten ganz vorne. Langes Sitzen und eine falsche Haltung führen oft zu Verspannungen im Nacken, Rückenschmerzen und Problemen mit der Bandscheibe. Bauen Sie viel Bewegung wie möglich in den Tagesablauf ein. Achten Sie auf eine rückenschonende Sitzhaltung. Ideal sind ein ergonomischer Bürostuhl und ein hochfahrbarer Tisch, um zwischendurch im Stehen arbeiten zu können.

2. Schmerzen an Händen, Fingern und Armen

Haben Sie schon einmal vom Mausarm gehört? Dieses Leiden hört sich komisch an, kann aber überaus schmerzhaft sein. In den USA ist das „Repetitive Strain Injury“-Syndrom offiziell als Bürokrankheit anerkannt. Dabei handelt es sich um winzige Verletzungen in den Sehnen und Muskeln von Händen, Fingern und Armen durch Über- oder Fehlbelastungen. Eng damit verbunden ist auch das Karpaltunnelsyndrom, die Schädigung eines Armgelenknervs. Arm- und Fingerübungen aber auch eine ergonomisch geformte Tastatur und Maus helfen dabei, diese Bürokrankheit zu vermeiden.

  1. Chronische Kopfschmerzen

Stickige Luft, Bildschirmarbeit und Stress führen im Büro oft zu Kopfschmerzen, die schnell chronisch werden können. Regelmäßiges Stoßlüften und ein gut ausgeleuchteter Arbeitsplatz können helfen. Falls es Ihr Arbeitsalltag zulässt, sollten Sie mehrere kurze Pausen über den Tag verteilen und zwischendurch raus an die frische Luft gehen. Auch regelmäßiges gesundes Trinken ist wichtig.

  1. Augenprobleme

Müde und trockene Augen sowie geschwollene Augenlider gehören ebenfalls zu den häufigsten Bürokrankheiten. Oft geht jahrelange Bürotätigkeit auch mit Kurz- oder anderen Fehlsichtigkeiten einher. Klären Sie mit Ihrem Augenarzt ab, ob Sie eine Brille benötigen bzw. diese noch passend ist. Wenden Sie Ihre Augen regelmäßig vom Bildschirm ab und blicken Sie in die Ferne.

  1. Psychische Probleme

Hohe Arbeitsbelastung und anhaltender Stress können die Psyche belasten. Ärger mit Vorgesetzten oder Kollegen verstärken dies noch. Schlafstörungen, Depressionen, Angststörungen und Burn-Out gehören sind typische psychische Bürokrankheiten. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Chef, um an der belastenden Arbeitssituation etwas zu ändern. Falls dies nicht möglich ist, sollten Sie über einen Jobwechsel nachdenken.

  1. Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauferkrankungen

Stress ist auch die häufigste Ursache für Bluthochdruck. Mangelnde Bewegung tut ihr übriges zur Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen. In Büroberufen ist es wichtig, dass Sie in Ihrer Freizeit einen Ausgleich für Körper und Psyche schaffen. Sport macht den Kopf frei und gleicht das lange Sitzen aus.

  1. Verdauungsstörungen

Auch das Verdauungssystem reagiert sehr empfindlich auf Stress. Falsches Sitzen drückt zudem buchstäblich auf den Darm. Ungesunde Snacks und die in der Regel nicht besonders vollwertige Kantinenkost verschlimmern das Ganze. Achten Sie auf eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung. Wie bei allen anderen Bürokrankheiten ist auch hier ausreichend Bewegung das beste Heilmittel.

Bürokrankheiten vermeiden: Diese Pflichten hat der Arbeitgeber

Es liegt im Interesse des Arbeitgebers, Bürokrankheiten zu vermeiden, schließlich führen sie zu häufigen, teilweise auch sehr langen Fehlzeiten. Laut § 618 Bürgerliches Gesetzbuch muss der Arbeitgeber etwa dafür sorgen, dass der Arbeitsplatz so gestaltet ist, dass Gesundheit und Leben der Angestellten nicht gefährdet sind. Was Computer, Bildschirm, Bürostuhl und Tisch angeht, muss der Chef jedoch lediglich dafür sorgen, dass diese dem Stand der Technik entsprechen. Falls Ihnen Ihr Augenarzt bestätigt, dass Sie eine Bildschirmarbeitsplatzbrille benötigen, muss der Arbeitgeber die Kosten dafür übernehmen. Was psychische Belastungen betrifft, so ist der Chef zum Beispiel dazu verpflichtet, Mobbing unter Kollegen zu unterbinden, siehe § 12 Abs. 3 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz.

Dies sind nur einige Beispiele aus dem Bereich des Arbeitsrechts. Häufig sind Arbeitnehmer gut damit beraten, Unterstützung von einem Arbeitsrecht-Anwalt einzuholen, wenn sie auf mutmaßliche Missstände am Arbeitsplatz aufmerksam werden – gerade dann, wenn diese im (un)mittelbaren Zusammenhang mit der Gesundheit stehen. Zögern Sie beid diesem Thema nicht zu lange: Ein Arbeitgeber, der Ihnen einen gesundheitlich unbedenklichen Arbeitsplatz inklusive der entsprechenden Rahmenbedingungen verweigert, ist es in der Regel nicht wert, ihm Ihre wertvolle Arbeitskraft zu widmen. Häufig entwickeln sich Unternehmen und Firmen auch erst mit der Zeit (zum Beispiel durch eine steigende Anzahl an Mitarbeitern auf gleichbleibendem Raumangebot) bis zu einem Punkt, an dem die Arbeitsplatzsituation untragbar wird – und wissen gar nicht um die prekäre Situation ihrer Arbeitnehmer. In solchen Fällen hilft es, einen Arbeitsrecht-Anwahl erst einmal als reinen Berater einzuschalten, ohne dem Arbeitgeber direkt offenbar zu werden. Dadurch gelangen Sie an fundiertes, abgesichertes Wissen auf diesem Gebiet und können den Verantwortlichen (der Personalabteilung) freundlich, aber zielgerichtet begegnen. Denken Sie daran: Arbeitgeber gibt es viele, aber Sie haben nur eine Gesundheit!

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