Zu viele männliche Hormone

Zu viele männliche Hormone im Körper einer Frau kann verschiedene Ursachen haben, die Folgen sind hingegen oft eindeutig. Die „Androgenisierung“ (Vermännlichung) durch beispielsweise Testosteron ist in den meisten Fällen leicht zu behandeln.

Ursachen von zu vielen männlichen Hormonen

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Die häufigste Ursache für eine Androgenisierung ist die Stoffwechselerkrankung PCOS. Rund 15 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter leiden unter PCOS, dem polyzystischen Ovarialsyndrom. Die Folge ist eine Androgenüberproduktion – ihr Körper produziert zu viele männliche Hormone.

Die Ursachen von PCOS sind nicht abschließend geklärt. Die Wahrscheinlichkeit, an dieser sehr häufigen Stoffwechselstörung zu erkranken, ist bei Frauen, in deren Familie PCOS bereits aufgetreten ist, erhöht. Aus diesem Grund liegt die Vermutung nahe, dass das polyzystische Ovarialsyndrom genetisch bedingt ist.

Da PCOS jedoch bei übergewichtigen Frauen überdurchschnittlich oft auftritt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch der Lebensstil Auswirkungen auf die Entwicklung der Stoffwechselstörung hat.

Bestimmte Tumore (beispielsweise im Bereich der Nebennieren und Eierstöcke) produzieren unter Umständen Hormone, was zu ähnlichen Symptomen wie PCOS führt. Diese treten jedoch, verglichen mit anderen Erkrankungen, die zu einer Androgenisierung führen können, sehr selten auf.

Auch Enzymstörungen können zu einem erhöhten Androgenspiegel führen – wenn gewisse Enzyme im weiblichen Körper nicht richtig funktionieren oder ein Mangel an jenen Enzymen besteht, die für den Abbau von Androgenen verantwortlich sind.

Die Einnahme von Anabolika-Präparaten zum Muskelaufbau führt ebenfalls zu einem erhöhten Spiegel an männlichen Geschlechtshormonen – negative Auswirkungen können unter Umständen auch nach dem Absetzen dieser Mittel auftreten.

Symptome

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Der weibliche Körper produziert sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtshormone – letztere jedoch in einer geringeren Menge. Bei Frauen, die unter einer Androgenisierung leiden, spielt der Hormonhaushalt, bezogen auf die Geschlechtshormone, gewissermaßen verrückt.

Typische Symptome sind Haarausfall im Bereich des Haupthaars, stärkere Gesichts- und Köperbehaarung (auch an Stellen, die eher untypisch für Frauen sind – Stichwort „Damenbart“).

Mögliche Spätfolgen sind unter anderem Gebärmutterkrebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem ist das Risiko, an Diabetes zu erkranken, bei PCOS-Patientinnen und Frauen, die an ähnlichen Erkrankungen leiden, erhöht.

Rund ein Viertel aller Frauen, die trotz Kinderwunsch nicht schwanger werden, leiden unter einem erhöhten Androgenspiegel. Aufgrund ihres unausgeglichenen Hormonhaushalts treten bei diesen Frauen häufig Zyklusstörungen auf, sodass der Eisprung unregelmäßig oder gar nicht erfolgt. Der Kinderwunsch bleibt hier häufig unerfüllt, obwohl das Paar viel versucht, um ihn zu verwirklichen, da eine Androgenisierung unter Umständen kaum auffällt.

Eine Androgenisierung hat meist auch Auswirkungen auf die Psyche: Manche Frauen sind aufgrund des erhöhten Spiegels an Testosteron und anderen Androgenen aggressiver, zudem kann eine außergewöhnlich hohe Libido (sexuelles Verlangen) auftreten.

Als indirekte Folge können psychische Belastungen auftreten: Die Betroffenen haben einen hohen Leidensdruck, da sie sich aufgrund der typischen Folgen eines hohen Androgenspiegels wie beispielsweise Bartwuchs, Haarausfall (bis hin zur Bildung von Geheimratsecken) und Unfruchtbarkeit kaum noch weiblich fühlen.

Behandlung von POCS

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Wichtig ist, dass zuerst die Ursache für die Androgenisierung eindeutig festgestellt wird, bevor eine Behandlung erfolgen kann.

Da die Androgenisierung eine hormonelle Störung ist, erfolgt die Behandlung meist ebenfalls mit Hormonen. Die beliebteste Methode dazu ist die Einnahme einer speziell vom Frauenarzt auf die Bedürfnisse der Patientin angepasste Antibabypille, mit der ein Großteil der Symptome wie Akne, Haarausfall und Störungen des Zyklus effektiv vermindert werden können.

Fallen die Symptome nur schwach aus, kann auch eine Behandlung ohne Hormone erfolgen, wobei diese nur die Symptome, jedoch nicht die Ursachen der Androgenisierung vermindert. Als Beispiel wären eine Bleichung der Körperbehaarung oder die Anwendung von Mitteln gegen Haarausfall zu nennen.

Ist die Androgenisierung auf ein aus Übergewicht resultierendem polyzystisches Ovarialsyndrom zurückzuführen, kann teilweise allein eine Senkung des Körpergewichts zum Beispiel durch eine Ernährungsumstellung dazu führen, dass die Symptome nicht mehr auftreten.

Bei Frauen mit Kinderwunsch ist die Einnahme der Antibabypille selbstverständlich keine langfristige Lösung. Kurzfristig kann die Behandlung dagegen tatsächlich mit der Pille erfolgen – das Ziel ist hierbei, den Hormonhaushalt wieder in geordnete Bahnen zu bringen, damit sich der Zyklus stabilisieren kann.

Anschließend erfolgt meist die Behandlung mit verschiedenen, speziell auf die Patientin zugeschnittenen Medikamenten.

Hilfreiche Literatur und Links zu POCS:

Hormonsprechstunde zu PCOS aus der Fachzeitschrift „Frauenarzt“, 2014

PCOS und Kinderwunsch aus der Fachzeitschrift „Frauenarzt“, 2014

Ernährungsfahrplan bei PCOS aus „Gynäkologische Endokrinologie“, 2011

PCOS Selbsthilfe Deutschland e.V.

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