Sind Fertiggerichte gesund?

Tiefkühlpizza in die Mikrowelle oder den Ofen und Beine hoch auf dem Sofa – für viele Berufstätige und andere Menschen bleibt unter der Woche kaum Zeit, sich in die Küche und an den Herd zu stellen und eine Mahlzeit frisch zuzubereiten. So nachvollziehbar die Gewohnheit ist, zum Fertiggericht zu greifen, wenn die Zeit und die Lust zum Kochen fehlt – gesund sind Fertiggerichte leider nicht. Und ist die Packung oder die Tüte erst einmal aufgerissen, hat man die Kontrolle über Salz, Fett, Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, Stabilisatoren und andere kaum gesundheitsfördernde Zusatzstoffe auch schon abgegeben. Eine zuckerfreie Ernährung gestaltet sich mit Fertiggerichten auch schwierig.

Die gute Nachricht für alle, die nicht auf etwas industrielle Hilfestellung bei der eigenen Ernährung oder der Ernährung der Familie verzichten möchten: Nicht alle Fertig- und Halbfertiggerichte sind per se gesundheitsschädlich. Wussten Sie zum Beispiel, dass Tomaten aus der Dose mehr vom wertvollen Lycopin enthalten als frische Tomaten? Oder dass Tiefkühlgemüse mit mehr Vitaminen als frisches Gemüse punkten kann, weil es in der Regel erntereif gepflückt und tiefgefroren wird, während frisches Gemüse noch beim Transport oder bei Lagerung nachreift und daher weniger Vitamine hat?

Was gibt es für Fertiggerichte?

Bilder eines Stück Pizza mit Champignons und geschmolzenem Käse - kaum ein gesundes Fertiggericht!
Fertiggerichte können lecker sein, sind aber in den meisten Fällen leider nicht gesund. (©istockphoto.com_champlifezy@gmail.com)

Welche Fertigprodukte auf dem Speisezettel nicht zu negativ zu Buche schlagen, entscheidet sich in der Regel durch den Verarbeitungsgrad des Produkts. Generell unterscheidet man Fertiggerichte und Halbfertiggerichte. Fertiggerichte sind verzehrbereit. Diese Gerichte müssen Sie nur noch auftauen oder aufwärmen. Halbfertiggerichte sind Produkte, die kochfertig sind und noch verarbeitet werden müssen. Mit Fertiggerichten ersparen Sie sich das Kochen, mit Halbfertiggerichten ersparen Sie sich das Waschen und Schnippeln.

Grundsätzlich gilt: Je mehr ein Lebensmittel verarbeitet wurde, desto ungesünder ist es. Tütensuppen sind ein Beispiel für ein Fertigprodukt, das wenig mit einer Suppe, dafür aber viel mit den Fertigkeiten der Lebensmitteltechnik zu tun hat. Damit aus dem unscheinbaren Pulver eine „leckere“ Brokkolisuppe wird, wird mit einer austarierten Mischung aus Zusatzstoffen und Aromen im Labor nachgeholfen. Was Ihnen mundet, ist nicht etwa der natürliche Geschmack von Brokkoli, sondern das Können der beteiligten Lebensmittelchemiker.

So baut die Lebensmitteltechnik Geschmäcker zum Teil so erfolgreich nach, dass die natürlichen Produkte nicht mit dem artifiziellen Geschmack mithalten können. Kinder, die mit industriellem Fruchtjoghurt groß geworden sind, lassen sich zum Beispiel später nicht ohne Probleme von einem natürlichen Fruchtjoghurt überzeugen – zu wenig süß, zu wenig intensiv der Geschmack im Vergleich zum Industrieprodukt.

Welche Fertiggerichte kann ich für meine Küche verwenden?

Eins steht fest: Eine abwechslungsreiche Küche mit frischen Zutaten ist gesünder als Fertiggerichte.  Soll es dennoch einmal etwas mehr „convenient“ sein, sollten Sie möglichst zu Halbfertigprodukten greifen und diese mit frischen Zutaten aufpeppen. Ein Pizzaboden aus dem Kühlregal ist schnell mit frischem Gemüse aufgewertet, ein Pastagericht mit halbfertigen Nudeln und einer Sauce aus dem Glas mit einem Bund frischem Rucola und frischem Parmigiano gehaltvoll komplementiert.

Bild von frischen Tomaten und einer geöffneten Dose Tomaten
Dosentomaten können Sie ohne Bedenken häufig verwenden. Sie sind vergleichsweise gesund. (©istockphoto.com_etiennevoss)

Nutzen Sie für Ihre „schnelle“ Küche zum Beispiel auch Kichererbsen aus dem Glas. Die Vitamine und Nährstoffe sind bei diesem Produkt größtenteils erhalten und Sie ersparen sich das lange Einweichen und die Kochzeit. Gegen vorgegartes Getreide ist ebenfalls wenig einzuwenden, wenn keine Zeit für die Zubereitung einer vollwertigen Mahlzeit ist. Kombinieren Sie Reis oder Quinoa dann einfach mit frischem Gemüse oder Kräutern.

Lesen Sie am besten beim Gang durch den Supermarkt immer die Inhaltsstoffe und wählen Sie möglichst Produkte ohne Konservierungsstoffe oder andere Zusatzstoffe. Wählen Sie, wenn möglich, Bioprodukte, um Produkte mit einer geringen Schadstoffbelastung auf dem Speisezettel zu haben. Sie sind unter Umständen etwas teurer, dafür aber auch gesünder.

Was tun bei Lust auf Fertigpizza & Co?

Fertiggerichte sind nicht gesund, haben dem Kochen mit frischen Zutaten aber eins voraus: die Welt kann aus den Fugen geraten, sie schmecken immer gleich. Das macht sie für viele Menschen zum echten „Soulfood“. Die Gerichte mögen ungesund sein, aber die Seele ist nach dem Verzehr – zumindest kurzfristig – wieder im Lot.

Wenn die Lust auf die Lieblingspizza besonders hartnäckig zuschlägt und andere Abhilfe nicht in Sicht ist, kann es auch einmal das Fertigprodukt sein. Vielleicht können Sie sich aber vorstellen, das Gericht so zu variieren, dass Sie noch ein wenig Vitamine mit auf dem Teller haben? Vielleicht machen sich ein paar Cocktailtomaten und eine Handvoll Basilikum auf der Pizza gut? Muss es unbedingt die Salami-Pizza sein oder kann es auch eine vegetarische Pizza sein? Oder vielleicht essen Sie nur die Hälfte der Pizza und machen sich noch einen kleinen Salat dazu?

Vielleicht gehören Sie aber auch zu den strategischen Köpfen und suchen sich gezielt ein gesünderes Soulfood, das einfach zuzubereiten ist und Sie glücklich macht. Ihrer Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Die gute Nachricht ist nämlich auch: Ein Geschmackssinn, der durch den Konsum von vielen Fertiggerichten die Orientierung verloren hat, lässt sich auch wieder antrainieren. Probieren Sie es aus und genießen Sie ohne schlechtes Gewissen!