Stevia: Die gesunde Alternative zu Zucker?

in Schon den Ureinwohnern im paraguayisch-brasilianischen Grenzgebiet war die stark süßende Wirkung des „Süßkraut“ bekannt. Jahrhunderte später, im Jahr 1887, entdeckte der Schweizer Botaniker Moises Giacomo Bertoni die Pflanze und ihre intensive Süßkraft und gab ihr den Namen Stevia rebaudiana Bertoni. Ovidio Rebaudi hatte 1900 zum ersten Mal die Inhaltsstoffe isoliert. Wieder weitere Jahrhunderte später, im Jahr 2011, wurden Steviolglycoside als neuartiger Lebensmittelzusatzstoff mit dem illustren Namen „E 960“ in der EU als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Heute wird Stevia auch in Europa angebaut und als gesunde Alternative für Zucker und synthetische Süßstoffe genutzt und angepriesen. Aber ist Stevia – wie die Produkte mit Stevioglycosiden häufig genannt werden – überhaupt gesund?

Was ist Stevia?

Aus den Blättern der Stevia wird der vergleichsweise gesunde Süßstoff gewonnen.
Stevia süßt intensiv und ist vergleichsweise gesund.(©gettyimages_dirkr)

Stevia ist ein Stoffgemisch, das auf der Kulturpflanze Stevia rebaudiana gewonnen und als Süßstoff verwendet wird.  Stevia besteht hauptsächlich aus Stevioglycosiden, darunter auch das zuckerähnlich schmeckende Rebaudiosid A. Steviaprodukte können als reines Rebaudiosid A das 450-fache der Süßkraft von Zucker entwickeln. Werden die Süßstoffe der Pflanze isoliert und neu gemischt, verliert sich auch der lakritzartige Geschmack der Pflanze. Zurück bleibt eine intensive Süße, die einen leicht leicht bitteren Nachgeschmack haben kann.

Produkte aus Steviolglycosiden haben keine Kalorien und schädigen, anders als Kristallzucker, nicht die Zähne.  Zudem lässt Stevia im Unterschied zu Haushaltszucker nicht den Blutzuckerspiegel ansteigen. Für Diabetikerinnen und Diabetiker ist der Süßstoff daher besonders geeignet.

Wann wurde Stevia zugelassen?

Stevia wurde am 2.12. 2011 in der EU als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Bemühungen für eine Zulassung des Süßstoffs gab es schon länger. Schon 1997 wurde bei der belgischen Behörde für Ernährung ein entsprechender Antrag für die Stevia-Pflanze im Rahmen der damaligen Novel-Food-Verordnung gestellt. Die Verordnung (hier mehr erfahren) regelt die Zulassung sogenannter „neuartiger Lebensmittel“. Der Antrag wurde im Februar 2000 aus Gründen der Lebensmittelsicherheit negativ beschieden. Zu diesem Zeitunkt war der Erkenntnisstand, ob Stevia gesund ist, noch nicht ausreichend.

Die Coca-Cola Company, die zusammen mit dem multinationalen Lebens- und Futtermittelkonzern Cargill Inc. die EU-Zulassung von Stevia betrieben hat, um in der Zukunft neue Absatzmärkte für eigene Produkte zu erschließen, reichte 2008 24 Patentanmeldungen für Stevia als Süßstoff ein. Stevia hatte, wie viele Markkenner zu wissen meinten, das Potential für die Revolution unter den Zuckern.

Im Oktober des gleichen Jahres wurden Stevioglycoside in Australien und Neuseeland zugelassen. Zwei Monate später, im Dezember 2008, erfolgte die Zulassung von Rebaudiosid A) als Süßstoff durch die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA). Frankreich ließ im August 2009 für einen Zeitraum von zwei Jahren ein Stevia-Extrakt als Süßungsmittel von bestimmten Lebensmitteln zu. Allerdings definierte die zuständige Behörde unterschiedliche Höchstmengen für den Einsatz von Rebaudiosid A und die mit Stevia gesüßten Lebensmittel duften nicht nach Deutschland vertrieben werden.

Mit Stevia lassen sich besonders gut Getränke, zum Beispiel Orangensaft,süßen.
Mit Stevia lassen sich besonders gut Getränke süßen. (©gettyimages_yotka)

In Deutschland lassen sich Steviaprodukte zu diesem Zeitpunkt nur  – als „Badezusatz“ deklariert – in Reformhäusern und Bioläden finden. Offiziell als Lebensmittelzusatz zugelassen sind Produkte aus Stevioglycosiden erst mit der EU-Zulassung von „E 960“ für Lebensmittel und Getränke im Dezember 2011. E 960 sind Stevioglycoside, die zu mindestens 95 Prozent aus Rebaudiosid A bestehen. Aich besteht die Zulassung besteht ausschließlich für E 960. Die Vermarktung der Stevia-Pflanze oder der Stevia-Blätter ist nicht von der Zulassung gedeckt. Hier liegen aus Sicht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit noch nicht ausreichende Erkenntnisse über die Gesundheitsrisiken vor.

Weiter geht es bald in „Stevia: Die gesunde Alternative zu Zucker?“ Teil 2.